1. Sonova Fachmedientag in Stäfa

1. Sonova Fachmedientag in Stäfa
Unternehmen

Zum ersten Fachmedientag inklusive einem Blick hinter die Kulissen lud die Firma SONOVA am 23.01.2018 ausgewählte Vertreter aus den Online- und Printmedien in das Headquarter ins schweizerische Stäfa. Akustiker Online wurde von den Redakteuren Melanie Höffernig und Carsten Passiel vertreten. 

Begrüßt wurden die Medienvertreter von Hans Mehl, Group Vize President Operations der Sonova AG, in einem der vielen Audimax-Räumen. Nach den freundlichen Begrüßungsworten wandte sich Hans Mehl den eigentlichen Themen des Tages. „Alle Geschäftsbereiche in unserem Unternehmen gehen durch die digitale Welt. Auch der Hörgeräteakustiker muss diesen Weg beschreiten. Wir liefern Ihnen die passenden Produkte“, mit diesen Worten startete der Medientag durch Hans Mehl. „Das Dienstleistungspaket des Hörakustikers und das Hörsystem müssen so gut wie es geht zusammenpassen.“ Mit diesen Worten übergab Mehl an Mirko Meier-Rentrop, Director Media Relations, der durch den Tag führte.

Hans Mehl

Einfluss von Schwerhörigkeit auf die Lebensqualität

Im ersten Vortrag des Tages referierte Dr. Stefan Launer, Senior Vice President for Science & Technology der Sonova AG, über den Einfluss von Schwerhörigkeiten auf die Lebensqualität. Mit den Worten „Hören besteht aus mehr, als nur das gesprochene Wort zu Hören bzw. zu verstehen“, startete Dr. Launer seinen Vortrag. Hören verbindet – Hören informiert und überwacht – Hören erzeugt und steuert Emotionen. Anhand dieser drei Überschriften zeigte Dr. Launer auf, dass viele kundenspezifische Aussagen nicht auf dem Alter beruhen, sondern vielleicht einer Hörminderung geschuldet sind. „Aus dem täglichen Umgang mit dem Kunden kennen Sie alle diese Situation, dass der Kunde alles versteht und kein Hörsystem benötigt“, so Launer während seines Vortrages. „Was der Kunden uns aber nicht verrät, dass er dieses Verstehen nur unter größter Anstrengung erreicht. Schlussendlich ermüdet er, aber nicht, weil dieses seinem Alter entspricht, sondern weil ihn die Höranstrengung ermüdet.“ Laut einer Studie ist eine leichte Hörminderung schon für den Betroffenen so extrem, dass er sich massiv anstrengen muss. Da wird sogar der tägliche Einkauf zur Qual, so dass dieses nicht einmal mehr erledigt wird.

Weiterhin liefert das Hören auch das Hören von Emotionen. „In diesem Bereich steckt zur Zeit sehr viel Forschungsarbeit, damit wir neben dem guten Sprachverstehen mit unseren Systemen auch irgendwann das emotionale Hören übertragen können“, so Dr. Launer. Der Schwerhörige zieht sich immer weiter zurück, da er die emotionale Ebene des Hörens nicht mehr „versteht“ und somit immer der Meinung ist, dass sein Umfeld über z.B. ihn lacht. Was ist also die Lösung? Das soziale Umfeld stellt sich auf den Betroffenen ein und richtet das Hören und Verstehen auf ihn aus.

Dr. Launer

Zum Ende seines Vortrages zeigte Launer in seiner Präsentation diverse Studienergebnisse und Auflistungen von Krankheiten wie z.B. Demenz und Diabetes. „Interessant zu sehen ist, dass die Hörminderung auf Platz 4 der Liste der chronischen Krankheiten zu finden ist und weniger Wichtigkeit bei den Menschen besitzt, als z.B. Diabetes, welche auf Platz 17 zu finden ist“, so Dr. Launer zum Abschluss.

Design und Benutzbarkeit – Kundenbeitrag in Innovation wandeln

Im zweiten Vortrag des Tages durch Herrn Hilmar Meier, Senior Concept Innovation Manager der Sonova AG, konnten die Medienvertreter einen Einblick in die Entwicklung von Produktneuheiten in Bezug auf die Benutzbarkeit bekommen. Mittels eines Kreislaufes im Unternehmen werden Endkunden in die Planung neuer Designs eingebunden. „In diesem Kreislauf orientieren – gestalten – testen fragen wir Kunden, wie Sie so ein Produkt gestalten würden“, so Hilmar Meier, „durch diese Prozesse haben wir sehr viel gelernt und werden noch sehr viel lernen“.

Hilmar Meier

Mittels der Co-Creation-Workshops werden die Kunden zu Designern, die Sonova zeigen, was der Kunde mit dem Design anfangen kann. „Einen Kunden zu fragen was er will, brachte keinen Erfolg“, so Meier weiter. „Wir müssen versuchen zu sehen, wie der Kunde mit dem Produkt umgeht“. Am Beispiel der Fernbedienung Pilot One wurde während des Vortrages gezeigt, wie aus einem Holzklotz, der die Größe für ein optimales Handling festlegen sollte, über Prototypen, das endgültige Produkt wurde. An einem Präsentationstisch konnten die Anwesenden aus dem Auditorium, ähnlich wie die Testkunden von Sonova herausfinden, wie diese Co-Creation-Workshops ablaufen.

Co-Creation-Workshop

Innovationen und Performance für Hörgeräteträger und Cochlea-Implant Träger

Vor der Mittagspause präsentierte Hansjürg Emch, Genral Vize President Medical der Sonova AG, die erfolgreiche Symbiose zwischen dem Implantbereich von Advanced Bionics und den Sonova Hörsystemen des Brands Phonak. „Uns ist es wichtig, den Weg eines hörbeeinträchtigten Erwachsenen komplett abzudecken“, so Emch in seinem Vortrag. „Die Entscheidung bei einem hörbeeinträchtigten Kind ein Implantat zu nehmen, liegt nach einer Testphase mit Hörsystemen sehr nahe.“ Anhand von vier hörbeeinträchtigten Erwachsenen wurde dem Auditorium die erfolgreiche Symbiose zwischen Phonak und Advanced Bionics vorgestellt. Durch die Implementierung des Phonak Chiptechnologie in die Advanced Bionics Sprachprozessoren können beide Systeme miteinander zu kommunizieren. Der Hörakustiker und die implantierende Klinik können somit Ihre Zusammenarbeit stärken. Der Betroffene kann eine Kombination aus Hörsystem um Implantat, CROS-System und Implantat und auch einer sogenannten EAS-Versorgung und Implantat wählen (EAS à electric acoustic stimulation à der Sprachprozessor kann mit einem Ex-Hörer verbunden werden, so dass eine elektrische und acustische Stimulation erfolgt).

Hansjürg Emch

„Besonders stolz sind wir auf das „ausgelagerte“ Mikrofon, welches sich über den Ohrhaken in der Ohrmuschel positionieren lässt, da wir somit eine bessere Aufnahme der Richtungsinformationen bekommen. Der CI-Träger hat durch diese Positionierung die Möglichkeit sich besser zu orientieren“, so Emch zum Ende seines Vortrages.

Nach der Mittagspause begrüßte Heinz Kaltenrieder die Pressevertreter für einen Produktionsrundgang. Besonders stolz im Hause Sonova ist man auf die Eigenanfertigung der Werkzeuge, um z.B. die Gehäuseschalen für die Hinter-dem-Ohr-Geräte selbst anzufertigen. Die Roboter arbeiten 24 Stunden fünf Tage die Woche. Die Werkzeuge werden im Hause Sonova nicht gefräst, sondern mittels Funkenerosion hergestellt. „Diese Werkzeuge können wir nur mittels dieser Funkenerosion hergestellen, da der Stahl so hart ist, dass er nicht gefräst werden kann“, so Kaltenrieder beim Rundgang. Weiterhin legt man im Hause Sonova ein Augenmerk auf Qualität. Alle neuen Produkte werden als erstes in Stäfa vor Ort nicht im Akkord, sondern auf hohem Qualitätsniveau per Hand gefertigt. Erst nach erfolgreicher Markteinführung wird die Produktion nach Asien aufgelagert. „Die Mitarbeiter vor Ort in Asien produzieren, nach der Einschulung durch die schweizer Kollegen, die gleiche Sonova-Qualität, wie die Kollegen hier“, berichtet Herr Kaltenrieder. Alle Sonovasysteme werden von Mitarbeitern in einer Test-Hör-Einstellung geprüft und erst dann mit der typenspezifischen Software programmiert. Zum Ende der Produktionsführung wurde den Pressevertretern das Herzstück der Produktion gezeigt. Alle in Sonovasystemen verbauten Hybriden (Verstärkern) werden in Stäfa gefertigt.

Im-Ohr-Innovationen

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte Leo Den Hartog, Senior Manager In-The-Ear Category der Sonova AG, alle Neuheiten im Produktportfolio der Im-Ohr-Hörgeräte. „Jeder Kunde verbindet mit einem unsichtbaren Hörgerät ein Im-Ohr-Hörgerät. 40% der Erstkunden wollen ein Im-Ohr-Hörgerät. Es ist diskret und kaum sichtbar im Ohr“, mit diesem Worten begrüßte Den Hartog das Audiotorium. Als erstes Produkthighlight wurde die Biometrische Kalbrierung vorgestellt. „Wenn wir von unseren Kunden die Abformungen erhalten, werden diese bei uns im Hause gescannt. Mittels unserer eigens entwickelten Modellierungssoftware haben wir die Möglichkeit nach dem Scanvorgang 1600 Datenpunkte im Ohr zu extrahieren, um die Nutzung der eigentlichen Funktion der Ohrmuschel zu optimieren“, referiert Den Hartong. Durch diese Kalibrierung wird die Direktionalität um bis zu 2 dB verbessert. Jeder Kunde, bzw. jedes Ohr, profitiert von dieser Technologie.

Der Hartog

Im zweiten Teil seines Vortrages wurde das zweite Novum, die Titanschale für Im-Ohr-Hörgeräte vorgestellt. Eine aus Acryl gefertigte Schale kann bis zu einer minimalen Wandstärke von 0,4 mm gefertigt werden, ohne dass diese bricht. „Titan liefert uns die Möglichkeit, dass wir die Schalenwandstärke nochmals um 50% reduzieren können, was zur Folge hat, dass diese Im-Ohr-Hörgeräte in Verbindung mit der neu entwickelten Mikrofon- und Verstärkertechnologie 60% kleiner werden“, erzählt Den Hartog stolz.

Damit die Hörakustiker die passenden (langen) Abformungen liefern, wurde auch auf dem Sektor der Abformpads geforscht. Mit den neuen EasyView Otoblock´s hat der Hörakustiker die Möglichkeit zu sehen, wo und wie er dieses Abformpad im Gehörgang positioniert. Der EasyView Otoblock wird auf den Otoskoptrichter gesetzt und in den Gehörgang eingeführt. Somit hat der Hörakustiker immer die Sicht auf das wesentliche.

Den Hartog berichtet dem Auditorium, dass die Abformungen seit der Einführung länger sind und wir das „Abformpad“ beim Scannen der Abformung nicht entfernen. Somit bekommen wir mehr Informationen über den Verlauf des Gehörganges hinter der zweiten Krümmung.

Zum Abschluss seines Vortrages wurde als Innovation unter den Im-Ohr-Hörgeräten noch das Lyric erwähnt, welches tief sitzend im Ohr getragen wird, keinerlei Batterie besitzt und alle drei Monate von qualifizierten Hörakustikern getauscht werden muss. Das Produkt Lyric besitzt auch eine Batterie, die integriert ist. Der Austausch eines Lyric ist hauptsächlich von der Tatsache getrieben, dass nach ca. 2-3 Monaten die Batterie schwächer wird.

 

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