Geschichte der Hörgeräte

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In unseren Tagen sorgen bis zu 12mm kleine Hörgeräte dafür, dass wir wieder besser hören können. In der frühen Geschichte waren die Hilfsmittel jedoch sehr beschränkt. Nur sehr wohlhabende Menschen konnten sich mit einer Hörhilfe das Hören wieder erleichtern. Im Jahr 1363 erfand der französische Chirurg Guy de Chaulliac in Montpellier einen Ohrspiegel, mit dessen Hilfe man in den Gehörgang blicken konnte. Mit Hilfe des Instrumentes war es erstmals möglich Untersuchungen des Gehörganges am lebenden Menschen vorzunehmen. Diese wiederum beflügelten in der Geschichte der Menschheit die Fantasie und den Erfinderreichtum um Hörhilfen zu konstruieren.

Die Geschichte des Hörens im Altertum

Schon die Griechen beschäftigten sich mit der Anatomie des Ohres und dem Hören. So meinte der griechische Naturphilosoph Diogenes von Appolonia (460-390 v.Chr.), daß das Ohr mit Luft gefüllt sei. Der berühmte griechische Arzt Hippokrates (460-370 v.Chr) bemerkte das Trommelfell und betrachtete es als wesentlichen Bestandteil des Hörorgans. Vor Christi Geburt gab es noch keine Hilfsmittel. Ein Schwerhöriger half sich so gut es ging durch das Vorhalten der gewölbten Hand. Durch die Trichterwirkung kann es zu einer spürbaren Hörverbesserung (10-15dB) unterhalb von 2kHz kommen. Bereits im 2. Jahrhundert nach Christus beschreibt der griechische Arzt Galen von Pergamon (129-199) ein System zur Hörverbesserung mit ausgehöhlten Tierhörnern. Auch Alexander von Tralles (525-605) berichtet über Kollegen, die versucht hätten Schwerhörige durch Hörrohren zu helfen.

Anatomische Entdeckungen

 

  • Um das 13. Jahrhundert experimentieren Mönche im südfranzösischen Albi mit schallverstärkenden Tierhörnern.
  • Im Jahr 1363 entwickelt Guy de Chaulliac (1330-1367) einen Ohrtrichter (Ohrspiegel). Mit diesem Gerät und mit Hilfe des Sonnenlichtes konnte er in den Gehörgang blicken und Beobachtungen (am lebenden Menschen) vornehmen.
  • Im 16. Jahrhundert schreibt Bartholomäus Eustachius (1520-1574) sein Werk „Epistola de Auditus Organis“. Es ist ausschließlich dem Ohr gewidmet. Die nach ihm benannte Eustachische Röhre (Ohrtrompete) war allerdings bereits den Griechen bekannt.

Hörhilfen in der neuzeitlichen Geschichte

Mitte des 16. Jahrhunderts vergleicht Vidus Vidius (1509-1569) den Nutzen von Hörrohren mit dem von Brillen. 1613 wurde das Hörrohr erstmalig in der Geschichte der Hörhilfen mit einer genauen Datierung erwähnt. Der italienischer Handwerker Paolo Aproino (1586-1638) rühmte sich der Erfindung des Hörrohres. In Folge berichteten mehrere Gelehrte über die Theorie des Hörrohres – die breitere Umsetzung des Wissens blieb jedoch noch aus.

Erst der Deutsche Athanasius Kircher (1601-1680) stellte 1650 ein von ihm gebautes Hörrohr einer größeren Öffentlichkeit vor. 1673 erschien sein Buch Werk „Phonurgia nova sive conjugium mechanico-physicum artis & naturae paranymta phonosophia concinnatum“. In diesem findet sich eine Abbildung der sogenannten Ellipsis Otica. Sie gilt als die erste bildliche Darstellung eines Hörapparates. Es diente allerdings wahrscheinlich mehr akustischen Experimenten als zur Hilfe eines Schwerhörigen. Der riesige Apparat wurde zwischen zwei Personen aufgestellt – an beiden Enden konnte gesprochen und (schallverstärkt) gehört werden.

Erste Entwicklungen

Um 1700 baute der Blasmusik-Fabrikant William Bull als erster Hörrohre in Serie. Nun waren dem Erfindergeist keine Grenzen gesetzt. Hörhilfen wurden geschickt als Pfeifen, Spazierstöcke, Fächer oder Operngläser „getarnt“. Als Materialien für die Hörhilfen dienten Messing, Kupfer, Aluminium, Silber, Schildpatt, Elfenbein, Horn, Pappe und Glas.

1706 baute Duguet ganz besonders interessante Armlehnen für seinen Fauteuil. Die beidseits angeordneten, überdimensionalen Hörrohre führten den Schall verstärkt zum Ohr. Die Hörtrichter waren gelenkig angebracht und konnten somit zum Sprechenden ausgerichtet werden.

Erste elektronische Hörhilfen

Das 1876 von Alexander Graham Bell (1847-1922) erfundene Telefon funktionierte noch mit einem Mikrofon aus magnetisiertem Metall. 1872 soll Bell bereits einen ersten simplen elektrischen Hörapparat für seine schwerhörige Mutter konzipiert haben. 1877 erfand sein Freund Thomas Alva Edison (1847-1931) das Kohlemikrophon. Im gleichen Jahr hat Bell angeblich einen zweiten Versuch zur Konstruktion eines Hörgerätes für seine taube Frau Mabel unternommen. Das Gerät war wahrscheinlich sogar mit einem Verstärker geplant. Es fehlt in der Geschichte jedoch der schlüssige Beweis, dass Bells Hörhilfen wirklich realisiert wurden.

1896 baute der Engländer Bertram Thornton (1856-1913) das erste Hörgerät mit Kohlemikrophon, einem magnetischen Hörer (Lautsprecher) und drei Batterien. Dieses erste Tisch-Hörgerät war jedoch noch sehr unhandlich und schwer. Verstärkung und Frequenzbereich waren den bekannten Hörrohren noch nicht überlegen.

1898 baute die Acouphone Company elektrische Hörgeräte in Serienreife. Dr. Miller Reese Hutchinson (1876-1944) baute ein Hörgerät mit dem bis zu drei Personen zugleich beidohrig hören konnten. Das Gerät wies sogar einen Audio-Eingang für einen Phonographen auf! 1900 brachte die Acouphone Company den ersten Audiometer auf den Markt. Mit dem Audiometer konnte die Hörschwelle bei mehrere Frequenzen und Lautstärken – für Luft- und Knochenleitung- gemessen werden.

1921 stellte die Globe Ear-Phone-Company ein stationäres Hörgerät mit einem Röhrenverstärker. 1925 baute die Firma Radio Ear ein 84kg leichtes Tischgerät mit Röhrenverstärker. Der Amerikaner Arthur Wengel (1892-1952) gilt seit 1937 als Erfinder des tragbaren Röhrenverstärker-Hörgerätes.

Ab 1940 wurden die Batterien immer kleiner und leistungsfähiger. Mit den ersten Transitorenverstärker um 1952 wurden die Hörgeräte deutlich kleiner und handlicher und eröffneten ein neues Kapitel in der Geschichte der Hörgeräte.

Entwicklungen zu Hörsystemen wie wir sie kennen

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Hörgeräte Dank technischer Fortschritte immer kleiner und handlicher. Die Hörgeräte erfuhren eine breitere Akzeptanz und viele Schwerhörige konnten wieder in ihr kommunikatives Umfeld reintegriert werden. Digitale Hörgeräte brachten in der jüngsten Vergangenheit noch „natürlichere“ Klangtreue. Mit sogenannten CIC-Geräten oder IIC (complete in the channel / komplett im Ohrkanal verschwindend oder invisible in channel – unsichtbar im Ohrkanal) erlebte die Miniaturisierung den vorläufigen Höhepunkt.

Mit moderner Technologie und umfassenden Know How Ihres Hörakustikers kann ein Hörverlust meist so kompensiert werden, dass ein zufriedenstellendes Hören und vor allem das Mitverfolgen von Kommunikation in Gesprächen wieder möglich wird.