Das Rückkopplungsunterdrückungssystem

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Die alten Hasen der Hörgeräteakustik kennen das leidige Thema von früher, dass bestimmte Hörverluste und deren Versorgung nicht ohne Rückkopplungen versorgt werden konnte. Heute zählt das Rückkopplungsunterdrückungssystem zur Standartausführung aller Hörsysteme.

Verhindern können diese Systeme das leidige Pfeifen nicht, aber erheblich reduzieren. Dank dieser modernen Systeme erreichen wir heute Verstärkungsleistungen, von denen wir früher nur geträumt haben. Die großen Unterschiede liegen aber in der Effektivität, der Schnelligkeit und der Stabilität, was technische Artefakte angehen. Mit diesem kleinen fachlichen Beitrag möchten wir die Arbeitsweisen der modernen Rückkopplungsunterdrückungssysteme und deren effektiven Vorgehensweisen bei der Anpassung erläutern.

Was ist eine Rückkopplung?

Durch eine undichte Stelle in der Otoplastik, die in Form einer Zusatzbohrung bzw. offenen Versorgung gewollt ist, kann schon bereits verstärkter Schall erneut von Hörgerätemikrofon aufgenommen werden und verstärkt werden.

Dieser Rückkopplungspfad kann leider nicht konstant gehalten werden, da der Träger eines Hörsystemes, z.B. nur durch Kaubewegungen, diesen regelmäßig verändert. Aus diesem Grund ist in den letzten Jahren der Wunsch nach dynamischen Rückkopplungsunterdrückungssystemen dauerhaft gewachsen.

Die Geschichte der Rückkopplungsunterdrückungssysteme?

Die einfachste Methode Rückkopplungen zu unterdrücken erfolgte mit Hilfe der Notch – Filter. Diese Filter arbeiteten sehr statisch, in dem die Frequenz die eine Rückkopplung verursachen konnte vom Hörer nicht übertragen wurde. Sie wurde einfach „ausgeblendet“ und somit konnte diese Frequenz nicht stören. Leider konnte dieser Filter den Rückkopplungspfad bei Bewegungen nicht konstant halten und somit wurden dann mehrer Notch – Filter eingebaut, die dazuführten, dass eine Verständigung in vielen Fällen nicht möglich war.

Die Weiterentwicklung dieser Systeme führte dazu, dass man das akustische Wissen einer „stehenden Welle“ (180 Grad phasenverschoben) ausnutzte und somit die Rückkopplungen ausgelöscht hat. Die gegenphasige Rückkopplungsauslöschung war geboren. Die Neuheit, zu dem damaligen Zeitpunkt, bestand darin, dass die Hochtonverstärkung aufrecht gehalten werden konnte und somit eine Sprachverständlichkeit ermöglicht werden konnte. Nachteil dieser Systeme war die Schnelligkeit, da das System schnell reagieren musste und zwischen einem hellen Signal und einer Rückkopplung unterscheiden musste. In bestimmten Frequenzbereichen entstanden „Rechenfehler“ die zu Eigensignalen der Hörsysteme führte.

In den letzten Jahren wurde an den Rückkopplungsunterdrückungssystemen so stark gearbeitet, so dass man heute viele Mechanismen gleichzeitig nutzt. Viele Hersteller markieren jedes Ausgangssignal, dass den Hörer verlässt mit einer Art „Schleife“ und wenn diese „Schleife“ am Mikrofon wieder auftaucht, dann werden alle Mechanismen gestartet, dass dieses Signal nicht verstärkt noch mal aus dem Hörer abgestrahlt werden. Weiterhin musste die verbreitete Technik der Mehrmikrofon – Technologie berücksichtigt werden, da beide Mikrofone ja dieses „markierte“ Signal aufnehmen konnte. Um diese getrennten Signalwege separat zu berechnen, benötigen die Hersteller enorme Rechenleistungen. Deshalb darf auch gerne von einem Hörcomputer gesprochen werden, denn ohne diese Rechenleistung, die einem Computer ähnelt, könnten diese Features nicht effektiv arbeiten.

Damit die Technik nicht alles übernehmen muss, kann der Hörgeräteakustiker im Vorfeld auch einiges berücksichtigen, um eine Rückkopplung zu vermeiden. Zu diesen Punkten zählen kleinere Bohrungsdurchmesser, maßgefertigte Otoplastiken und die Passgenauigkeit der Otoplastik.

Coverbild des Beitrags: swillklitch – Fotolia.com